Streit & Vergesellschaftung
1. Streit
Es kommt recht häufig vor, dass es in Rennmausgruppen Streit gibt. Duos sind weniger gefährdet als grössere Gruppen. Bei mir hat
sich noch nie ein Duo zerstritten, jedoch habe ich von Fällen gehört, wo dies geschehen ist. Streitereien sind auf jeden Fall
ernst zu nehmen. Da sich Rennmäuse in Gefangenschaft nicht ausweichen können, kann es zu blutigen Auseinandersetzungen kommen!
Anzeichen
Wenn es Spannungen in Rennmausgruppen gibt, ist es wichtig, diese frühzeitig zu erkennen! Anzeichen dafür sind:
- Besteigen bei gleichgeschlechtlichen Rennmäusen. Das Besteigen ist nicht nur ein Geschlechtsakt, sondern auch
Dominanzgehabe. Treten Spannungen in Rennmausgruppen auf, beginnen sie sich gegenseitig zu besteigen.
- Verpieseltes, müffelndes Rückenfell. Während des Besteigens lassen einige Rennmäuse Urin ab. Besonders bei hellen
Rennmäusen sieht man das dann auch farblich
- Betrommeln mit den Pfoten. Diese Verhaltensweise ist meistens nicht so ernst, und kann auch bloss eine kleine Rangelei
sein.
- Verfolgungsjagden durch den Käfig. Dies ist schon ein gefährliches Stadium, oft geht es Beissereien voran. Es kann aber
auch sein, dass die gejagte Rennmaus bloss eingeschüchtert wird
Ursachen
Streitereien in Rennmausgruppen können manchmal sehr plötzlich kommen. Oft fragt man sich dann, was der Auslöser war. Natürlich
kann man das nicht immer sagen, aber es gibt ein paar häufige Ursachen:
- Ein Tier aus der Gruppe stirbt. Wenn diese Maus der Chef in der Gruppe war, bringt dies die Rangordnung durcheinander.
Manchmal kann das einfach gelöst werden, indem das nächst tiefere Tier die Stellung übernimmt, oder indem sich ein von allen
akzeptiertes Alphatier herauskristallisiert.
- Ein Tier aus der Gruppe wird schwächer. Je nachdem, wie klar die Struktur der Gruppe ist, kann das bereits zu
Komplikationen führen. Manchmal versuchen dann junge, kräftige Tiere die Stellung zu übernehmen. Natürlich gibt das
schwächere Alphatier diesen Rang nicht immer ohne Widerstand ab.
- Ein Tier aus der Gruppe will dem anderen den Alpharang streitig machen. Sind die Beiden gleich stark, kann dies zu
blutigen Kämpfen führen.
- Das Becken ist zu gross. Wenn eine Gruppe ein sehr grosses Revier hat, kann das zu Revierstreitigkeiten kommen, d.h. der
verfügbare Platz wird in mehrere Bereiche aufgeteilt, die verteidigt werden. Diesen Streitigkeiten gehen normalerweise andere
Spannungen voraus, die das Distanzieren auslösen
- Nach/während dem Auslauf. Der Auslauf auf einer grossen Fläche kann Spannungen zum Streit werden lassen.
- Nach dem Saubermachen. Durch den komplett neuen Geruch im Becken können sich die Rennmäuse entfremdet fühlen. Man kann
dagegen vorbeugen, indem man z.B. das Nest immer drinlässt.
Was tun?
Wenn Streit ausbricht, ist es immer noch möglich, die Rennmäuse wieder zu besänftigen und die Gruppenstruktur wieder in Einklang
zu bringen. Ich gehe dabei jeweils so vor:
- Eine kleine, ausbruchssichere Transportbox (max. 20cm lang für 2 Rennmäuse) bis oben hin mit Stroh voll stopfen. Dann
alle Rennmäuse der Gruppe in die Box setzen. Sie dürfen keinen Platz mehr haben zum kämpfen und jagen, da dies blutig
enden kann. Darin lässt man die ganze Gruppe mindestens 1-2 Tage. Die Wasserversorgung kann mit Frischfutter gewährleistet
werden. Natürlich muss man auf die Box ein Auge haben, wenn sie sich trotzdem beissen, muss man die Tiere wohl oder übel
trennen.
- Wenn die Rennmäuse diese Zeit friedlich überstanden haben, kann man sie in einen abgetrennten Teil des Aquariums lassen
(ca. 30cm). Alle Einrichtung soll entfernt werden, damit sich niemand absondern/abgesondert werden kann. Bleibt die Gruppe
immer noch friedlich, kann man den Bereich langsam vergrössern, bis wieder die ehemalige Grösse erreicht ist. Schlussendlich
kann auch die Einrichtung wieder eingefügt werden. Kommt es während dieser Phase zu Streit, kann man die Mäuse nochmal 2-3
Tage in die Transportbox stecken, um einen weiteren Versuch zu starten.
Weiteres
Arbeit über die Entwicklung des Sozialverhaltens bei mongolischen Rennmäusen: pdf (33 Seiten)